Raumausstattung
Raumausstattung
Auf dieser Seite sind unsere Ansichten und Gedanken zum alles umfassenden Thema Motorrad, Garagen und Bier, niedergeschrieben

Bernd, 1.2.2009

Am Anfang war das ja gar keine Frage. Irgendwie musste man sich motorisiert durch die Welt bewegen. Dazu diente erstmal das Mofa, dann das Moped bzw. Kleinkraftrad und - mit der Volljährigkeit, endlich ein richtiges Motorrad. Ein Auto gab es nur im Winter, wenn wirklich nichts mehr ging. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Februar, wurde sofort das Motorrad wieder in gang gesetzt und damit gefahren.

So gingen die Jahre ins Land. Ich fuhr viel. Touren im Ländle, den Alpen, ans Meer. Doch irgendwann stand Stefan mit einem Suzuki Geländewagen vor der Tür, als wir eigentlich eine zünftige Enduro-alte- Militärstraßen-in-den-Alpen-Tour machen wolten. Zuerst war die Entteuschung bei mir groß. Ein Auto galt damals als Fortbewegungsmittel für Weicheier, Warmduscher und Discogänger. Und zu keiner dieser Gruppen zählte ich mich dazu. Ich ließ mich überreden und wir fuhren über die schönsten Natursträßchen (Natursträßchen - eigentlich ein Widerspruch in sich) bis nach Jeslo an den Strand. Trotz aller Bedenken, musste ich zugeben dass es mir sehr gefallen hat. Das Geländewagenfahren.

Natürlich verkaufte ich deshalb mein heißgeliebtes Motorrad, BMW R80G/S, noch lange nicht. Aber mit den Jahren des exzessiven Fahrens, war irgendwann auch mal die Luft draußen. Aus der Motorradfahrerei. Mir kam die Fahrerei immer öfter irgendwie sinnentleert vor. Einfach fahren, des Fahren wegens. Macht doch keinen Sinn. Oder?

Und so kam es, wie es kommen musste. Als ich eines schönen Jahres den Tank der G/S im Frühjahr füllte und im Herbst immer noch Sprit davon drin war, entschloss ich mich, mein Motorrad zu verkaufen und mich den wirklich "wichtigen Dingen des Lebens" zu widmen. Familie, Haus, Beruf. Das tat ich dann auch Jahre lang und mit viel Freude.

Eines schönen Samstagnachmittag im Frühling, 10°C und Nieselregen, spazierten meine Familie und ich des Weges, da fuhr röhrend, rauchend und nach 2taktAbgas riechend ein altes Motorrad aus den frühen 60ern an uns vorbei. Die Stimmung, die nur wenige Sekunden anhielt, das nasskalte Wetter, die ersten blühenden Blümelein, der 2taktGeruch und der Klang des Motorrads wirkten auf mich so speziell, dass ich nach acht Jahren des überhaupt-nicht-an-Mötorrädern-interessiert-seins, sofort wieder fahren wollte.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Klaus und Stefan beim Moutainbiken am Gardasee, wo die beiden über irgendwelche Motorräder und Touren geschwärmt haben. Ich war absolut desinteressiert. Mir ging das Thema total am Arsch vorbei. Und jetzt, ein paar Wochen darauf, dieses absolute Verlangen, wieder ein Motorrad zu haben und damit in der Weltgeschichte herumzufahren.

Ich habe dann sofort Klaus angerufen und wollte mir für den restlichen Nachmittag seine XJ 900 ausborgen. Natürlich war die Batterie kaputt und er musste erst mal eine neue besorgen. Ein paar Wochen vorher hat mich Conny angerufen und gefragt, ob ich ihre alte CB 200 haben wollte, die bei ihr im Keller im Weg stand. Ich hab damals, zweckes Desinteresse, dankend abgelehnt. Jetzt wollte ich sie haben, aber sie war schon an jemand anderen verschenkt worden. Bled gloffa.

Ich wollte ein Motorrad haben. Eines, das einem nicht die Haare vom Kopf frisst, ca. 50 PS hat und am besten Kardanantrieb hat. BMW, egal welche kam nicht in Frage, da die viel zu viel kosteten. Guzzi 650er war nirgends erhältlich, außerdem hat die einen zweifelhaften Ruf, wegen der Zuverlässigkeit. CX 500 Güllepumpen gab es zwar, die waren aber entweder vergammelt oder überteuert.

Da stand in der NWZ war eine VT 500 C, C steht für Custom, also ein Softchopper der 80er Jahre, inseriert. 50 PS, Kardan, V2, 500 Euro, TÜV und noch ne Menge Ersatzeile dazu. Genau sowas hatte ich gesucht. Gleich hin und da ich grade Geburtstag gehabt hatte, hat Susi sie mir geschenkt. Eine tolle Frau, die Susi. Danke. Mit diesem Motorrad bin ich dann durch den extrem heißen Sommer von 2003 gecruist. Leider hab ich ein Rückenleiden, dass sich immer dann meldet, wenn ich auf einem Chopper, choppermäßige Sitzhaltung, fahre. Deshalb hab ich die VT 500 C gegen die VT 500 E, einen Tourensportler, ersetzt.

Mit dieser Maschine fahre ich nun schon seit 2004 durch die Gegend. Sie macht eine riesen Spaß. Ich habe den Kauf nie bereut.

Ach ja, nochwas zu den Gedanken des Sinnentleerten Fahren, die mich am Ende meiner ersten Motorradkarriere plagten. Wenn man etwas immer und überall haben kann, es also im Überfluss hat, wie z.B. damals das Motorradfahren, wird es mit der Zeit einfach langweilig. Da hilft auch das tolltse Motorrad nicht. Auch ein Neues wird einen nicht dauerhaft zufrieden stellen.

Heute aber, ist die Zeit, die ich auf dem Motorrad verbringe, kostbarer, da ich sie nicht im Überfluss habe. Erst wenn alle Arbeiten erledigt sind und niemand einen Anspruch auf mich hat, kann ich das Motorrad herausschieben, anlassen und eine Fahrt genießen. Wenn ich es gut organisiere, vielleicht so ein bis zwei Mal im Jahr, sogar einen ganzen Tag lang. Ansonsten ist das Motorrad ein Halbtageshobby. Dieser Mangel macht es auch auf die Dauer spannend, interessant und immer wieder aufs Neue begehrenswert. Das Motorradfahren.

Bernd
Cafferacer

Der Angststreifen, oder wer angibt, hat mehr vom leben:

vorgestern war ich im Schwarzwald unterwegs. Von Freiburg nach Gernsbach bei Baden-Baden und von da aus, Richtung Tübingen.

Bei Freiburg ist die ehemalige Bergrennstrecke Schauinsland. Das sind 15 Kilometer und ca. 800 Höhenmeter Kurven und Landschaft vom absolut Feinsten. Gut ausgebaut schraubt sich die Stecke nach oben. Kurve um Kurve wird man routinierter und sicherer. Der Angststreifen am Hinterrad wird zusehned schmaler und schmaler, ohne dass man extrem rasend und lebensverachtend fährt. Aber halt schon zügig.

Das geht aber nur unter der Woche, da am Wochenende die Stecke für Motorräder gesperrt ist. Noch ein Vorteil, unter der Woche sind dort so gut wie keine Autos unterwegs.

Danach ging es Richtung Norden, Teilweise auf der Schwarzwaldhochstraße, gähn, dermaßen gut ausgebaut, dass man permanent mit 130 km/h, ohne sich wirklich schnell vorzukommen, fahren könnte. Aber es gibt ja noch die weißen Sträßchen auf der Landkarte, die rechts und links davon abzweigen. Da lacht das Mopedfahrerherz wieder.

Aber am allerbesten ist die "rote Lache" bei Forbach. Eng, kurvig, steil, wild. 15 Kilometer absolutes schwindlig fahren. Seit dieser Strecke ist der Angststreifen am Hinterrad verschwunden. Boah ey .

Also, wenn Ihr mal im Schwarzwald seid, fahrt die rote Lache bei Forsbach. Ihr werdet es nur bereuen, wenn Ihr Eurer Moped im Wald parkt. Also vorsicht, kein Risiko eingehen.
Ach übrigens: ich habe hinten den vielgescholtenen Metzeler ME 99 Holzreifen, 10 Jahre alt, drauf. Der haftet ohne Ende. Wie man sieht. Zumindest bei Trockenheit. Vorne den sowieso tollen BT45.

Bernd, 7.8.2009
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