Raumausstattung
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Jedes Jahr zu Ostern

Motorradtreffen Firenze

Meine rote BMW, Alex hintendrauf und ich brausten durch die laue florentiner Frühlingsnacht, den kühlen Fahrtwind im Haar, einem, mit hübschen und uns zuwinkenden Italienerinnen, voll besetztem A112, hinterher. An jedem Ampelstopp das Fenster runter gekurbelt und mit uns geflirtet, was das Zeug hielt. Wenn zwei stramme, blonde, blauäugige Tedesci, mit dem Motorrad Florenz bereisen, bleibt das bei der hießigen weiblichen Bevölkerung natürlich nicht unentdeckt.

Die sind bestimmt schwul, dachten die Mädls im Autobianchi von uns. Zwei Lederjungs auf dem Mopped und so. Und dann noch den Transenstrich auf und ab gefahren. Aber das wussten der Alex und ich noch nicht, dass das der Transenstrich war. Wir waren ja auch erst unschuldige 20 Jahre alt und da ist man halt noch ein bisschen naiv und lässt sich von der großen Welt blenden. Im Jahre 1983.

Aber wie kam es dazu?

Alex schaffte beim Fähnle in der Auto und Motorradzubehörabteilung. Und der Udo, sein Geschäftskollege, fuhr mit seinen Motorradfreunden jedes Jahr, an Ostern, nach Florenz, weil dort der örtliche Moto Clup U.I.S.P. Firenze, eine Rally Touring Motociclistico Internazionale, veranstaltete. Diesmal war es schon die achte. Alex fuhr bei einem Kollegen hinten drauf mit, da er zu dieser Zeit kein Motorrad besaß. Ich hatte auch Zeit und Lust und außerdem wollte noch die Ochsensusi bei mir mitfahren. Ein großes Plus. Die Ochsensusi kannte ich aus der Berufschule. Sie war meine platonische Freundin, damals. Ochsensusi deshalb, weil ihre Eltern den Gasthof Ochsen in Uhingen bewirteten und sie Susanne hieß.

Also fuhren wir anfang April nach Florenz. Wenn es in Göppingen noch arschkalt und nass ist, herrschen in Florenz schon, für uns Nordmenschen auf jeden Fall, sommerliche Themperaturen. Das sieht der gemeine Florentiner aber anders. Als wir mit dem T-Shirt fast schon schwitzend unseren Cappo im Straßenkaffe genommen haben, ernteten wir von in Dauen- und Steppjacken gewandeten Italienern, verwirrte und fast schon verständnisslose Blicke. Die Barbaren aus dem Norden halt, was kann man da schon erwarten.

Der hießige Moto Clup hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. In einer großen Renaissance Villa, eigentlich war es schon fast ein Schloss, und einem schönen bewaldeten, gepflegten Park, gleich vor der historischen Altstadt am Fiume Arno, waren die Organisation, Bewirtung, sanitäre Anlagen und der Moto Clup selber untergebracht. Kulinarisch fuhren die Italiener das volle Programm auf. Vino und Bier. Einen riesigen Ochsen am Spieß auf offenem Feuer. Frühstück. Kaffee. Catering. Da wurde jeder satt und niemand musste dursten.

Alex und ich ließen uns dann von den hübschen Italienerinnen in die Geheimnisse von Florenz einführen, während auf dem Motorradtreffen die Ober- oder waren es die Niederbayern? die Sau rausließen mit wilden Burnouts oder show-me-your-Titts-Darbietungen. Die Italiener waren schockiert ob der Primitivität der wilden Horden aus dem Norden. Natürlich waren sie insgeheim auch fasziniert und beeindruckt vom bayrischen Bikerlifestyle. Ein bisschen wie Zoo? Komm Giovanni, wir gehen Deutsche gucken. Eintritt frei. Au ja, Francesca! Tolle Idee!

Wir Schwaben ließen das alles auf uns wirken und grinsten.

Am zweiten Tag des Treffens wurde die Rally, eine touristische Ausfahrt, ca. 200 Kilometer, ins toskanische Hinterland, veranstaltet. Über 1000 Motorräder waren auf diesem Treffen und die alle wollten an der Rally teilnehmen. Man musste also schauen, dass man einen Platz ganz vorne ergattert. Sonst fährt man immer in einem riesigen Pulk von Motorrädern. Und das kann ganz schön nervig sein. Zumal die Fahrt durch die tollsten Landschaften und beeindruckensten Passtraßen der Toskana ging. Da brauch es schon ein bisschen Platz, um seine fahrerische Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen.

Bei Schneetreiben übern Brenner ging es wieder nach Hause, ins immer noch nasskalte Göppingen. Aber wir hatten schon Sonne getankt und den florentinischen Frühling, la dolce Vita, genossen.

Wir waren so begeistert, dass wir beschlossen, das nächste Jahr auf jeden Fall wieder zu kommen.

Arrividerci!

Bernd

1984, Rally 9° Touring, Motociclistico Internazionale, Moto Club U.I.S.P. Firenze
Das haben wir jetzt davon, dass wir uns letztes Jahr aufgeführt haben, wie die Säue. Wir, also Alex und ich, haben uns ja gar nicht aufgeführt wie die Säue, wir haben den Einheimischen sogar nachdrücklich demonstriert, was für liebe Jungs wir Deutschen doch sind. Aber viele andere Motorradfahrer aus Deutschland, explizit Bayern, eben schon.

Das Motorradtreffen findet nämlich nicht mehr in dem schönen, historischen Park mit bombastischer Villa, statt, sondern auf einer Wiese, 20 Kilometer außerhalb, in den Bergen, vor Florenz, bei der Rennstrecke Mugello verde. Mit vier Dusch- und Klohäuschen für 2000 Motorradfahrer. Das Catering war auch nicht mehr so fein, wie letztes Jahr. Es gab Pasta, basta. Strafe muss sein.

Diesmal war Alex nicht mit gereist. Schade. Die Italienerinnen waren traurig. Dafür aber Klaus und Stefan. Klaus mit seiner blauen XJ 650 und Stefan mit einer grünen Yamaha RD 250 oder 350 Zweitakter. Ich mit meiner roten R 65.

An Ostern ist es in Florenz angenehm warm. Aber die Appeninen, wo wir das Treffen feierten, waren hunderte, wenn nicht sogar tausende Meter höher gelegen als Florenz. Und das bedeutet, Themperaturen ähnlich wie in Göppingen, zumindest bei Nacht. Deshalb haben wir uns entschlossen, nicht die ganzen Tage auf dem Treffen rumzugammeln und zu frieren. Wir setzten uns nach dem Aufstehen ab, ins frühsommerlich blühende Florenz. Und da genossen wir das dolce Vita, mit Cappuccino, Panini mit halben Ochsen drauf, Kultur auf der Punte Vecchio und dem Piazale Michelangelo, mit grandiosem Ausblick auf Firenze. Abends in Fiesole die südländisch, historische Atmosphäre aufgesaugt. Super! Die eine oder andere historische Kirche wurde natürlich auch besichtigt.

Aber um leichtbekleidete Italienerinnen aus dem Strßenkaffe zu sehen, ist Ostern definitiv die falsche Zeit. Die Italienerinnen frieren bei Themperaturen unter 25°C. Und ziehen sich dementsprechend dick und warm an. Das ist leider so. Wegen der leichtbekleideten Mädels hätten wir besser auf dem Treffen bleiben sollen, wo ein showmeyourtits den nächsten misswettshirt Contest ablöste. Die Deutschen sind halt nicht so verfrorene Memmen!! Allerdings sahen die unverfrorenen, robusten deutschen Motorrad Mädels, in ihren wetten T-Shirts, auch nicht aus wie Germanys next Top Models. Man muss sich halt entscheiden.

Abends in Florenz kann man sich super Ampelduelle mit sämtlichen Motorradfahrern liefern, die grad unterwegs sind. Und das sind nicht wenige. Eigentlich ist abens ganz Florenz unterwegs. Wie es scheint, jeder Florentiner ein Motorrad, der Masse der Motorradfahrenden Florentiner nach zu urteilen.
Der florentinische Motorradfahrer und die Ampeln

Der gesetztesteue und ordnungsliebende deutsche Motorradfahrer, hält man an der roten Ampel an und fährt bei Grün los. So ist man es gewohnt und so macht man es auch. Nicht so der Italiener. Ich stehe in vorderster Reihe und warte auf Grün. Plötzlich, die Ampel zeigt Rot, rasen alle los, wie vom Henker gejagt. Da bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als sich der Masse anzuschließen und 200 Meter bis zur nächsten roten Ampel, mit zu rasen. Dort das gleiche Spiel.

Nach eindringlicher Beobachtung des florentinischen Ampelverhaltens, kamen wir zu folgendem Schluss: der Italiener hat ein relativ entspanntes Verhältniss zu den Ampelfarben. Bei gün und gelb wird gefahren und bei rot - auch. Nur wenn der querende Verkehr fährt und man selber hat rot, bleibt man stehen, bis der querende Verkehr abgeklungen ist. Das Rot spielt dabei keine Rolle. Ist der Weg frei, gibt man, sofern man in erster Reihe steht, was sich empfielt, vollgas und rast los. Sieger ist, wer als erster bei der nächsten roten Ampel ankommt. Falls man nicht der Erste ist oder auch nicht in der ersten Reihe, kann man beruhigt einfach den anderen hintendrein fahren, ohne sich um den Verkehr zu kümmern. Man muss halt aufpassen, dass man nicht auf seinen Vordermann drauf fährt. Was hinter einem passiert, hat einen nicht zu interessieren, da man es sowieso nicht beeinflussen kann. Außer man fährt noch schneller.
Das macht Spaß und der Abend verklingt in Windeseile.

Irgendwann war dann auch dieses Treffen zu Ende und wir verließen Firenze Richtung Heimat.
Schneegestöber auf dem Brenner.
Aber das kannte ich ja schon. Deshalb hatte ich vorsorglich zu Hause, über den Winter, Hein Gericke Heizgriffe an meine BMW gebaut. Die mussten jetzt ordentlich glühen. Auf jeden Fall glühten sie so ordentlich, dass auf der Autobahn nach Innsbruck, Richtung Salzburg, meine Ladekontrolllampe zu leuchten begann. Kabelbrand. Ich war der Letzte in der Kolonne. Stefan und Klaus hatten sich in Italien angewöhnt, nicht mehr in den Rückspiegel zu schauen und nur noch vollgas zu fahren. Ich habe dann, von ihnen Stundenlang unbemerkt, auf einer Autobahntankstelle angehalten, um nach dem Rechten zu sehen.
Als ich da so saß und auf meine Freunde wartete, die ja irgendwann bemerken mussten, dass ich fehlte, hielt ein großer, nobler BMW an einer Zapfsäule an. Heraus stieg ein Herr mittleren Alters und zwei super schicke jüngere Frauen, gesylt mit Pelz, Lipgloss, hochhackigen Schühchen und Kleidern die der Phantasie keine Chance mehr ließen. Boah ey, Wahnsinn! Da blieb mir die Spucke weg.

Der Herr im eleganten Zweireiher fragte mich, was denn los wäre und ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen zu ihrem Wochenendhaus an einem Voralpensee, mit zu kommen. Tja, was soll ich da sagen? Glück im Unglück? Hat mir da meine kaputte BMW, zu einem der beeindruckensten Erlebnisse, in meinem bisherigen jungen Leben, verholfen? Und was meint Ihr, wie es weiter ging?

Ich glaube, Stefan und Klaus hat es in Florenz super gut gefallen. Sie waren schwer beeindruckt vom Treffen, von Florenz und der ganzen Szene die sich uns bot. Auf jeden Fall bekamen sie den Mund nicht mehr zu, vor lauter staunen. So was hatten sie noch nie erlebt. Deshalb machten sie, in Göppingen wieder zurück, auch gut Werbung. Die nächsten Male sind uns einige mehr von unseren Freunden nach Florenz zum Treffen gefolgt. Martin, Felix, Iris, Claudi, Lilli.

Bernd
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