Raumausstattung
Raumausstattung

Damals in Jugoslavien

Pleiten, Pech und Pannen

Fahrt zur Insel Rab 1982

*

Reisebericht von Bernd

Ich sitze hier und schaue depressiv aus dem Fenster dem rieselnden Schnee zu. Es schneit schon seit Dezember. Zwei Monate am Stück Schnee! Tonnenweise Streusalz auf den Straßen. Kein nahender Frühling zu sehen. Kein Blümelein das blühen will. OK, die Schneeglöckchen haben sich schon raus getraut. Das Motorrad wartet, halb gestippt im Keller, um endlich mal wieder zusammengebaut, angelassen und gefahren zu werden. Und im Febraur, also diesen Monat, soll sie auch noch zum TÜV!

Ich verschwende jetzt aber keinen negativen Gedanken mehr an das Streusalz, sondern erinnere mich an bessere, wärmere und sonnigere Zeiten.
Ich folge auf meiner roten BMW R65, schwungvoll und dynamisch einer Norton Commando 850. Wir ballern durch die Hohen Tauern. Die Straße windet sich kühn durch die Berge. Es ist Sommer, warm, sonnig und die Natur abseits der Berge ist saftig grün. Der tieffrequente Klang, das lustvoll, brünftige Röhren der 2-Zylinder wird von den Felswänden reflektiert. Schräglage, kurze Gerade, wieder Schräglage. Gas auf, Gas zu, Gänge wechseln und wenig bremsen. Keine Raserei. Der absolute Flow. Nach ca. 50 Kilometern trennen sich unsere Wege. Ich fahre weiter, Richtung Deutschland.
Doch wie kam es dazu? Ich befand mich auf der Rückfahrt von der Insel Rab. Meine Freunde Alex, mit seiner Honda CB 250 G, Klaus auf Yamaha XS 400 und Wolfi mit Stefans Suzuki 250 Zweitakter, waren noch auf der Insel und genossen Ihren Urlaub.

Wolfi hatte zu der Zeit kein Motorrad, aber einen tollen, hell-metallicblauen Fiat 128 mit 60 PS. Wir waren alle dafür, dass er mit seinem Fiat uns nach Jugoslavien begleiten sollte. Er könnte viel Gepäck, Proviant und Zelte mitnehmen. Sogar für ein Gummiboot wäre Platz gewesen. Mit Paddeln. Doch Wolfi wollte lieber mit dem Motorrad fahren. Stefan hatte eine Suzuki 250, ist aber lieber nach Mallorca in den Urlaub geflogen und hat sie daher, die Suzuki 250, an Wolfi verliehen.

Tatendurstig und versessen auf eine supertolle und fahrdynamische Motorradreise durch die Ostalpen, starteten wir also, vollgepackt, in Richtung Jugoslawien. Es sollte aber anders kommen.

Auf der Autobahn nach Ulm, fuhr Wolfi einen Rastplatz an, weil es Probleme mit der Suzuki gab. Alex fuhr voraus. Wenn er seinen Rückspiegel auch mal zu was anderem, als zum Kämmen und sich schön finden benutzen würde, dann hätter er feststellen können, dass die Freunde fehlen und auf dem nächsten Rastplatz auf sie warten. Aber Alex, der schönste Mann Göppingens, beobachtete nie den rückwärtigen Verkehr in seinem Rückspiegel. So kam es, dass wir uns die nächsten drei Tage nicht mehr sahen.
Wolfis Suzuki hatte irgendwie Zündaussetzer. Als der Motor abgekühlt war, lief das Motorrad wieder und wir fuhren weiter. Immer durch die nächsten Rastplätze, auf der Suche nach Alex. Die Suzuki lief aber immer schlechter und brauchte Unmengen an Sprit, dass wir, irgendwo in Bayern, die Autobahn verließen, um in einer Werkstatt danach sehen zu lassen. Der Mechaniker schob das Problem auf die, nicht mehr originale, Zündanlage. Es war eine kontaktlose, elektronische Zündung montiert, anstatt der originalen Unterbrecher.

Wir übernachteten in einer Scheune. Am nächsten
Morgen,nach dem Frühstück zickte die Suzuki schon wieder. Jeder normale Mensch hätte spätestens dann kehrt gemacht, wäre nach Hause gefahren, das Gepäck in den Fiat geladen, dazu noch ein Gummiboot mit Paddeln, und uns dann, flotten Reifens, nach Jugoslawien gefolgt. Nicht so Wolfi.
Er ist zwar ein Freund des flotten Reifens, aber umgekehrt und mit dem Fiat gefahren, das ist er nicht. Wir fuhren also weiter wie gehabt und ärgerten uns über die Probleme machende Suzuki.
Am dritten Tag wollte Wolfis Suzuki einfach nicht mehr. Auf einer einsamen Küstenstraße in Jugoslawien, gefühlte 60°C, zirpende Grillen, absolute Windstille, die Mittagssonne brannte als weißer Ball unerbittlich auf uns herunter, kein schattenspendender Baum weit und breit, der Asphalt warf Blasen, die Motorwärme ließ die Füße im eigenen Schweiß kochen, da war Schluss.
Aber sieh doch da!! Es kommen aufreizende, nackte, wunderschöne Frauen mit HighHeels auf uns zu. Endlich! Sie wollen unsere Träume war werden lassen. Welch eine Belohnung für all die Strapazen! Freude! Glück! Es gibt doch eine Gerchtigkeit!

Es war aber eine Fata Morgana! Neiiiin!! Das war zuviel!! Das drufte einfach nicht sein!! Ein Produkt unserer am Durchdrehen nahen Fantasie. Klaus und ich, mit den Nerven am Ende, dem schieren Wahnsinn verfallen, mit weit aufgerissenen Augen, debil grinsend und teuflisch lachend (Wuahahahahaha!!!!!) beschlossen, diesem Übel auf zwei Rädern, diesem Grund für alles Schlechte auf der Welt, ein für alle mal ein Ende zu bereiten und es einfach in eine baumlose Schlucht, die es dort zuhauf gab, zu werfen, oder die Steilküste runter, ins Meer. Eventuell noch anzünden mit einem Freudentanz drumherum.

Aber Wolfi wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. In seiner Verzweiflung er versprach uns sogar Freibier. Nur dadurch kamen wir wieder zu uns. Also banden wir die havarierte Suzuki mit einem Seil, das Wolfi dabei hatte (wieso nimmt der ein Seil zu einer Motorradtour mit?), an meine BMW und schleppten Sie damit bis zum Fährhafen.
Endlich auf Rab angekommen, lief die Suzuki wieder, und Wolfi schoss, begeisternd den Gasgriff drehend und blind vor Freude, am runter gelassenen Schlagbaum des Campingplatzes, von hinten in Klaus Yamaha. Er hatte, wohl vor lauter Euphorie, dass die Tortur jetzt ein vorläufiges Ende hatte, uns übersehen. Der Schaden war zum Glück nicht groß. Der Gepäckträger war verbogen, konnte aber gerichtet werden. Alex wartete dort auf uns schon seit drei Tagen.
Wir genossen die Zeit auf Rab. Wir schnorchelten im Meer, fuhren Motorrad, lagen am Strand, zum Frühstück gab es Rotwein und fettige Salami und wir besuchten ab und zu ein jugoslawisches Restaurant. Das Personal in den Restaurants war aber überhaupt nicht motiviert oder freundlich sogar. Man ließ uns stundenlang auf das Essen und die Getränke warten.
Hackfleischbällchen und Hackfleischröllchen mit rohen Zwiebeln und Ayvar (deutsch: Paprikapaste). Dazu ein kühles Pivo (deutsch: Bier). Zur Ehrenrettung der Jugoslawischen Gastronomie, muss ich hier erwähnen, dass wir uns im sozialistischen Jugoslawien befanden. Und im Sozialismus muss man ja nicht arbeiten fürs Geld. Paradiesisch.
Ich fuhr nach einer Woche, von der Sehnsucht nach meiner damaligen Freundin Conny, getrieben, nach Hause. Wolfi zerlegte am Campingplatz auf einer Wolldecke die Suzuki und probierte sie zu reparieren.
Was aber nicht gelang. Er organisierte einen LKW, der die Suzuki und ihn mit nach Deutschland nahm. Hätte er mal nur auf uns gehört und den Fiat genommen.

Bernd

Wie bei jeder Ausfahrt ist Berndi wieder früher nach Hause.
Alex und ich hatten ebenfalls eine super Heimfahrt.

Klaus
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